Hanau steht zusammen

#persönlich

Heute möchte ich über etwas anderes schreiben, als über Nägel. Weil etwas passiert ist, das mich zutiefst erschüttert. Ich kann nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen, meine Gedanken drehen sich immer wieder um das, was am 19.02.2020 in Hanau geschehen ist. Ich bin sprachlos. Ich bin schockiert. Ich lebe und arbeite seit vielen Jahren in dieser Stadt, die mir ans Herz gewachsen ist. Eine Stadt, in der ich viele Freunde gefunden habe. Dass jetzt vor unserer Haustür so eine brutale und rassistische Tat geschehen ist, macht mich traurig und wütend. Ich kenne die Menschen nicht, die getötet wurden. Und auch nicht die, die schwere Verletzungen, körperlich wie seelisch, erlitten haben. Aber es tut trotzdem weh. Wenn gesagt wird “Dieser Anschlag richtet sich gegen uns alle”, dann kann ich das im Moment einfach sehr gut nachempfinden. Ich fühle mich betroffen und GEtroffen.

Meine Gedanken sind bei den Menschen, die ihre Familienmitglieder und Freunde verloren haben. Und bei den zehn Opfern, die eigentlich nur noch schnell einkaufen gehen wollten. Oder sich mit ihren Freunden treffen. Meine Gedanken sind bei den Verletzten und denen, die diese Tat mit ansehen mussten. Ich wünsche diesen Menschen, dass sie dies irgendwie verarbeiten können. Und vor allem, dass sie wieder gesund werden. Aber eins ist klar: Es wird hier nie wieder so sein, wie es war. Dies hat alles verändert.

Oft hat man den Eindruck, dass in einer Stadt mit fast 100.000 Einwohnern die Menschen nebeneinander her leben, sich eigentlich gar nicht kennen. Dass sie sich nicht dafür interessieren, wie es dem Nachbarn geht. Der Zusammenhalt der Hanauer, die am Folgetag auf dem Hanauer Freiheitsplatz eine Mahnwache abhielten, zeigt jedoch ein anderes Bild. Ein Bild von Menschen, die füreinander einstehen. Die mitfühlen und sich solidarisieren. DAS ist das Hanau, in dem ich lebe. Umso schwieriger ist es zu begreifen, wie ein einzelner Mensch in dieser Gesellschaft so einen Schaden anrichten kann. Diese Tat war nicht nur ausländerfeindlich – sie war menschenfeindlich. Die Trauer sitzt tief in den Menschen, das kann ich hier spüren. Die Stimmung ist gedrückt, es ist ist fast so, als sei die Zeit stehen geblieben. Es wird lange dauern, bis wir dies aufgearbeitet haben.

Ich möchte hier ein klarers Zeichen setzen. Ausländerfeindlichkeit, rechtes Gedankengut, Gewalt und Hass hat in unserer Stadt – und in jeder anderen Stadt der Welt – KEINEN Platz. Wir stehen zusammen – für eine freie und tolerante Gesellschaft.

Es ist schwierig, wieder in den Alltag zu finden. Aber irgendwann geht das Leben weiter, so ist es eben. Doch wir dürfen dabei nie vergessen, was passiert ist. In Hanau und leider auch in anderen Städten. Wir dürfen nie wegsehen, wenn wir Rassismus und Menschenfeindlichkeit sehen und erleben. Wir müssen eingreifen und füreinander einstehen. Egal, welche Hautfarbe, Religion, Herkunft oder was auch immer. Wir leben alle auf dem gleichen Planeten und jeder einzelne hat das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben, ohne angefeindet zu werden. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir alle ohne Angst (voreinander) leben können. Und ich hoffe, dass wir die Solidarität füreinander, die hier nach den Ereignissen zu spüren ist, nie verlieren.

Ich werde “den Betrieb” hier auf dem Blog sicher bald wieder aufnehmen, wenn ich meine Gedanken weiter sortiert habe. Es war mir jedoch ein absolutes Bedürfnis, meine Gedanken zu den Ereignissen in Hanau – in meiner Heimatstadt – mit euch zu teilen. Falls ihr dazu etwas sagen möchtet, könnt ihr das gerne über einen Kommentar tun. Ich würde mich über einen Austausch zum Thema sehr freuen.

Danke fürs Zuhören.

 

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Wir wohnen sehr nah am zweiten Tatort des Todesschützen und haben soeben einen Spaziergang zum Bäcker in der Nähe gemacht. Es ist eine ganz merkwürdige, eigenartige Stimmung zu spüren. Uns geht es wie Dir, dass wir keines der Opfer persönlich gekannt haben, aber dennoch ist man in Gedanken bei Ihnen, leidet mit den Angehörigen und denkt über den Unsinn einer solchen Tat nach.
    Lass Dir Zeit, ordne Deine Gedanken, wir können es sehr gut nachvollziehen.

    Antworten
    • frischlackiert
      24. Februar 2020 17:42

      Hallo Bernd, ich danke dir für deinen Kommentar! Ganz genauso geht es mir auch – es einfach abzuschütteln ist nicht so einfach. Und ich weiß auch nicht, ob ich das so schnell möchte. Klar, das Leben geht weiter, aber irgendwie anders als zuvor. Ich empfinde da das Nägel lackieren als absolut unwichtig angesichts der Ereignisse. Danke für deine Worte!

  • Danke DIR!
    Ich finde es so WOW, dass du dich so klar positionierst! Ist selten geworden.
    Ganz viel Liebe für alle und solidarische Grüße aus Österreich
    Luna

    Antworten

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